Kari Karaiti

Schreiberei zwischen Tür und Angel

Hayden und Louise

Hayden

Hayden stand im Schatten der dunklen Gasse und starrte auf das Haus gegenüber. Seine Augen schweiften die unscheinbare Fassade hinauf zu dem Fenster, das er die letzten fünf Wochen fast täglich beobachtet hatte, und sein Herz hämmerte unwillkürlich in seiner Brust. Seine Hände schlossen sich in seiner Hosentasche zu Fäusten, während er mit sich rang. Wie jeden Abend versuchte er, den Mut zusammenzunehmen und an der verdammten Tür zu klopfen. Was hatte er zu verlieren? Er war volljährig. Es gab keinen Grund für sie, ihn abzuweisen.

Ein Schatten lenkte seine Aufmerksamkeit auf das Fenster, das er seit fünf Wochen beobachtete. Elise, hauchte er ihren Namen, als schmale Hände das Fenster hochschoben. Er flüsterte den Namen, testete, wie er sich auf seinen Lippen anfühlte, wie er über seine Zunge rollte. Sie lüftete oft, nachdem ein Mann ihr Zimmer verlassen hatte. Doch mehr als ihre Hände hatte er nie zu Gesicht bekommen, nicht in Realität. Er kannte die Bilder, mit denen sie auf ihrer Webseite warb. Und verdammt, wenn sie nicht eine der schönsten Frauen war, die er je gesehen hatte. Ihr braunes Haar fiel in glänzenden Wellen auf ihren Rücken, trug sie sie nicht zu einer sinnlichen Frisur hochgesteckt. Ihre leuchtenden Augen sahen ihn aus den Bildern an, als forderten sie ihn auf, an ihre Tür zu klopfen. Wie oft waren seine Fingerspitzen der Linie ihrer vollen Lippen gefolgt, während er davon geträumt hatte, dass sie sich um seinen Schwanz schlossen? Er schnaufte leise.

Es kam vor, dass er Männer in die Wohnung treten oder sie verlassen sah. Dann folgte er ihnen manchmal, um sie zu studieren, um herauszufinden, wie sie sich nach ihrem Besuch aufführten, ob man ihnen ansah, was sie die letzte Stunde getrieben hatten. Die meisten verhielten sich unauffällig. Manche widerten ihn an, die, die ihre Hände in die Hose schoben und sich richteten, sich den Sack kratzten und eine Zigarette anzündeten. Rauchen kam ihm allgemein lächerlich vor. Wenn er die Männer beobachtete, während sie sich die Glimmstängel zwischen die Lippen steckten, um sich Schadstoffe direkt in eines der wichtigsten Organe ihres Körpers zu ziehen, fragte er sich, wie Menschen jemals auf die Idee gekommen waren, eine solch unnatürliche, sinnlose Handlung auszuprobieren. Er hasste den Geruch von Zigaretten, von kaltem Rauch, der an der Kleidung, in den Haaren, im Atem haften blieb. Unabhängig davon, wie viele Kaugummis die Mädchen der High-School nach einer Zigarette in den Mund steckten, ihre Küssen rochen immer wie abgestandene Aschenbecher. Er schüttelte sich bei der Vorstellung. Vielleicht versuchten die Männer, mit dem Rauch den Geruch von Sex zu übertünchen. So oder so, er konnte die Tätigkeit nicht nachvollziehen.

Sein Herz setzte aus, als der Vorhang beiseitegeschoben wurde und im nächsten Moment schlanke, nackte Beine auf die Fensterbank stiegen. Sein Blick haftete auf der glatten Haut, folgte der Kurve hinauf, bis er auf einem runden, festen Hintern haften blieb, der sich niederließ. Sein Puls hämmerte so kräftig in seinem Hals, dass er schluckte. Er wich tiefer in die Gasse zurück, dass sie ihn nicht wie einen Creep auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen und sie angaffen sah.

Gott, sie war so schön! Ihre Hände hielten eine Tasse, führten sie zu ihrem Mund und sie trank daraus, während sich ihr Blick in der Ferne verlor. Seine Augen schweiften über das Tanktop, das sich an ihren perfekten Körper schmiegte, in lockeren, schwarzen Shorts verschwand. Das legere Outfit verriet ihm, dass sie keinen Kunden erwartete. Seine Hände ballten sich fester zu Fäusten. Sollte er es wagen? Sollte er an ihre Tür klopfen? Sie hob den Kopf, lächelte in den Himmel, dann drehte sie sich herum und sprang von der Fensterbank. Sie griff den Vorhang, zog ihn zu, während ihr Blick hinunter auf die Straße fiel. Haydens Atem setzte aus. Hatte sie ihn gesehen oder hatte er sich getäuscht? Mit einem einseitigen Grinsen verschwand sie in der Wohnung.

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