Kari Karaiti

Schreiberei zwischen Tür und Angel

Hayden und Louise

Louise

Wieso hatte sie das getan? Wieso hatte sie ihm ihren realen Namen genannt? Gedankenverloren strich sie ihre Finger durch sein Haar. Weil er so süß war, dachte sie. Weil er versucht hatte, ihre Anweisungen umzusetzen, weil er verzweifelt um Kontrolle gekämpft, aber verloren hatte. Weil er nicht zugelassen hatte, dass sie sich kurz vor ihrem eigenen Orgasmus zurückzog, weil er sich erst hatte gehen lassen, als sie ihren Höhepunkt gefunden hatte. Deswegen hatte sie ihm ihren Namen gesagt. Sein Kopf lag auf ihrer Schulter, sein Arm hielt sie umschlungen, sein Finger ruhte immer noch tief in ihr, als hätte er ihn vergessen. Wie lange war sie nicht mehr mit einem Kunden gekommen? Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie lehnte ihre Wange an seinen Kopf. Ah, er war kein Freier, kein Kunde! Er war ihr Projekt, hatte sich als offen und bereit für ihre Anweisungen gezeigt. Deswegen hatte sie sich gehen lassen und ihre Freude mit ihm genommen.

„Louise!“, seufzte er tief, dass seine Stimme in seiner Brust vibrierte.

„Ja, Louise“, antwortete sie, fuhr mit ihrer Nase durch sein Haar.

Er hob den Kopf und seine Augen legten sich auf ihre, sahen sie mit einer forschenden Intensität an, die im Blick eines so jungen Mannes nichts verloren hatte. „Warum?“

„Warum, was?“ Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und sie strich ihm mit einer Hand über die Wange, während die andere in seinem dichten, weichen Haar wühlte. „Ich trenne Arbeit und Privatleben. Hier lebt Elise, aber wenn ich das Haus verlasse, kehre ich in Louises Welt zurück.“

„Das verstehe ich“, erwiderte er und zog nachdenklich die Augenbrauen zusammen, während seine Augen zwischen ihren hin und her rasten. „Warum verrätst du mir deinen wahren Namen?“

Ja, weshalb hatte sie das getan? Sie betrachtete ihn eine Zeit schweigend, biss in die Innenseite ihrer Wangen. Seine Augen lagen unverändert auf ihr und er wartete geduldig auf eine Antwort. Ihre Finger zerwühlten nervös sein Haar und sie wunderte sich, ob sie es ihm sagen konnte, ob sie ihn damit nicht verschreckte und er die Beine in die Hand nahm und lief, als sie schon ihre eigene Stimme vernahm.

„Weil du anders bist. Du wirst kein Freier sein, Hayden, du wirst mein Projekt“, sprach sie aus, was sie Augenblicke zuvor gedacht hatte. „Wenn du willst, werde ich dich unter meine Fittiche nehmen. Du wirst mein Geschenk an die Frauen dieser Welt.“ Seine Augen weiteten sich in Überraschung und er öffnete den Mund, um zu antworten, doch sie legte ihren Finger auf seine Lippen. „Antworte nicht sofort! Denke über mein Angebot nach, darüber, was du von mir lernen kannst. Und wenn du dir sicher bist, dass du das willst, dann kommst du zurück zu mir.“

Sie beugte sich vor, berührte seine Lippen mit ihren und küsste ihn. Oh, wie süß sein Kuss war, schüchtern und zurückhaltend folgte er ihrer Führung und ein leises Stöhnen entwich seiner Kehle. Sie lächelte in den Kuss, lehnte sich zurück und sah ihm in die Augen, während sie sich langsam wieder bekleidete. Sie wand sich vorsichtig aus seiner Umarmung, erhob sich von seinem Schoß, dass sein Finger aus ihr herausfiel. Nur mit größter Selbstkontrolle gelang es ihr, nicht das Gesicht ob des Verlustes zu verziehen.

Er schien die Andeutung zu verstehen, denn er stand ebenfalls vom Sessel auf, verpackte sich langsam, ohne sie aus den Augen zu lassen. Oh Gott, dieser Blick, mit dem er sie anstarrte, fuhr durch ihre Eingeweide direkt in ihr Zentrum und ließ sie schaudern. Sie wollte sich ihre Kleidung vom Leib reißen, ihn zu Boden stoßen und hier und jetzt reiten wie einen wilden Hengst. Doch sie hatte ihren Haken ausgeworfen, hatte ihm nur eine Kostprobe der Leidenschaft gewährt, die er mit ihr erwarten konnte. Es war an ihm, anzubeißen, dass sie die Leine einholen konnte. Er war ein großer Brocken, den sie sich geangelt hatte, und etwas an der Art, wie seine Augen sich in ihre bohrten, verriet ihr, dass dies nicht nur auf seine Körpergröße zutraf.

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