Leseprobe

Fortsetzung Seite 2

Mit amüsiertem Gesichtsausdruck wandte sich Colton ab und schlenderte auf die Treppen zu, die in den oberen Raum führten. Er ging an dem ersten Andreaskreuz, das sich an diesem Abend ungewöhnlicherweise unbenutzt zeigte, vorbei. Zwei Doms hatten Bella in der Liebesschaukel auf kunstvolle Weise drapiert und die Laute ihres Vergnügens ließen ihn schmunzeln. Dann fiel seine Aufmerksamkeit auf den Flaschenzug, vor dem sich eine kleine Traube gebildet hatte. Mehr als zehn Doms standen dort dicht gedrängt, dass sie den Blick auf das, was sich am Haken abspielte, verdeckten. Er konnte sie reden und leise lachen hören.

Dann erklang ein Signalton und Hunter rief: „Zeit um! Moment!“

Gemurmel brach aus, woraufhin Colton sich der Gruppe langsam näherte. Es waren hauptsächlich jüngere Doms, die sich das Spektakel ansahen, die er zum Teil aus den Kursen kannte, die Hayden anbot. Einzelne erfahrene Doms standen mit kritischem Blick und mit vor der Brust verschränkten Armen da und beobachteten das Geschehen. Colton wühlte sich durch die Gruppe, bis er neben Ryan stehen blieb und ihm kurz die Hand auf die Schulter legte, bevor er den nackten Frauenkörper am Flaschenzug erhaschte. Er atmete tief ein, während sein Blick die blasse Haut der dunkelhaarigen Frau entlangfuhr, die dort mit über dem Kopf ausgestreckten Armen am Haken hing. Eine Binde lag über ihren Augen, unter der ihre braunen, lockigen Haare hervorquollen und bis auf ihren Rücken fielen. Sie atmete tief, was ihre apfelgroßen Brüste hob und senkte, während ihre weiche Bauchdecke kaum die harte Muskulatur, die darunter lag, verbergen konnte. Sie war nicht dünn wie Paisley oder drahtig wie Janna. Aber die Weichheit ihrer Kurven ließ Coltons Hände kribbeln. Wie Venus persönlich räkelte sie sich an dem Haken, als verlangte sie, berührt zu werden. Beim zweiten Blick musste er allerdings zugeben, dass es das Gegenteil war, das sie unruhig von einer Zehenspitze auf die andere trippeln ließ. Hunter diskutierte mit Jack, der den Bereich überwachte und mit zusammengezogenen Augenbrauen seinen Blick auf der jungen Frau liegen hatte. Beide traten an sie heran und sprachen mit ihr, redeten auf sie ein, doch sie schüttelte den Kopf.

„Sie fühlt sich mehr als unwohl“, hörte Colton Ryan neben sich knurren. „Und ich spreche nicht von dem gewissen Unwohlsein, das mancher hier anstrebt.“

„Was macht Hunter?“, fragte Colton. „Wieso bricht er die Szene nicht ab?“

Ryan schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht genau, was da passiert, da ich eben erst dazukam. Michael drückte mir ein Los in die Hand. Er sagte, ich sollte zusehen, dass ich sie überrede, anderweitig spielen zu gehen, wenn diese Nummer hier gezogen wird. Aber Hunter sieht nicht zufrieden aus. Ich würde an dieser Stelle abbrechen.“

Doch Letzterer wandte sich zum Rad um und drehte es mit verkniffenem Gesichtsausdruck. Als es auf einer Zahl stehenblieb, trat ein junger Dom vor, gab sein Los ab und stellte sich so neben die Frau, dass er den Blick auf sie nicht versperrte, während seine Hand zielstrebig zwischen ihre Beine ging und er nahe ihrem Ohr sprach. Sie ließ den Kopf hängen und Colton konnte sehen, wie sich ihr Kiefer verhärtete, als sie die Zähne aufeinanderpresste.

„Ich werde Jack fragen, weshalb er nicht eingreift.“ Langsam ging er auf Jack zu. Hunter beobachtete den jungen Dom mit einem Blick, der Mord und Totschlag schrie, doch er ließ ihn gewähren.

„Jack!“

„Colton!“ seufzte dieser tief.

„Was soll das?“ Colton deutete mit der Hand auf die unsägliche Szene, die sich vor ihnen entfaltete.

„Es ist eine Wette.“

„Eine Wette?“

„Sie sind seit Ewigkeiten befreundet, platonisch!“

„Ich sehe nichts Platonisches hier heute Abend“, warf Colton ein, während der junge Mann ihre Beine mit seinen Füßen öffnete, direkt zwei Finger in sie einführte und ihr Körper zusammenzuckte.

„Sie besucht ihn und fand seine Spieltasche, die er leichtsinnigerweise herumliegen ließ. Sie befragte ihn dazu und nach dem Abendessen und einer Flasche Wein neckte sie ihn, bis er sagte, dass sie keine zehn Minuten in einer Szene durchhalten würde. Sie fühlte sich provoziert und Hunter malte diese Szene hier aus, um sie abzuschrecken. Doch sie ließ sich nicht abschrecken und forderte ihn zu einer Wette heraus. Er dachte, sie würde am nächsten Morgen davon zurücktreten. Wie du siehst, tat sie das nicht.“

„Worum wetteten sie?“

„Er erklärte ihr, dass er sie festketten, öffentlich zur Schau stellen und zwei Minuten mit ihr an die Doms verlosen würde. Sie hätte in diesen zwei Minuten die Wahl, ihr Safe-Word zu benutzen, die Zeit durchzuhalten und auf den nächsten zu warten oder einen Dom auszuwählen und damit diese Szene zu beenden und mit ihm anderweitig weiterzumachen. Wenn sie zehnmal zwei Minuten durchhält oder einen der Doms auswählt, hat sie die Wette gewonnen. Benutzt sie ihr Safe-Word, verliert sie.“

Colton ließ stöhnend den Kopf hängen. „Hast du nicht versucht, das Ganze zu beenden?“

„Natürlich habe ich das. Sie besteht darauf, es durchzuziehen. Was soll ich machen?“

„Warum sind ihre Augen verbunden?“

„Sie bat darum. Es beruhigt sie, sagte Hunter.“

„Verdammt! Er sieht aus, als wollte er die Grünschnäbel eigenhändig umbringen.“

Jack nickte. „Sie starren sie an wie hungrige Wölfe ein verletztes Lamm.“

„Hast du ein Los gezogen?“, fragte Colton.

„Nachdem sie stur darauf besteht, dieses Spektakel über sich ergehen zu lassen, ja. Ich hoffe, wenn das Rad auf meiner Zahl landet, das Spiel zu beenden.“

„Wer noch?“

„Ryan, Michael, Carson! Aber wir haben kein Glück.“

„Ich werde auch eine Nummer ziehen.“ Colton trat an den Behälter mit den Losen und zog ein Stück Papier heraus, was ihm einen scharfen Blick von Hunter bescherte. Konnte sein Freund sich nicht vorstellen, weshalb er das tat? Konnte er sich nicht denken, dass er die Qualen, die ihm dieses Spiel zufügte, beenden wollte?

Der Signalton erklang und Hunter knurrte: „Zeit um!“

Der junge Dom zog seine Finger aus ihrem Körper und wollte sie ihr an die Lippen halten, doch Hunter deutete ihm, zurückzutreten. Erneut sprach er mit ihr, aber sie schüttelte trotzig den Kopf, woraufhin er sich seufzend umdrehte und mit einer frustrierten Geste das Rad in Schwung setzte.

„Der Wievielte war das?“, fragte Colton an Jack gerichtet.

„Erst der Dritte! Wir zögerten das Ganze dadurch heraus, dass wir versuchten, es ihr auszureden.“

Colton presste die Lippen aufeinander, als das Rad knapp an seiner Zahl vorbeilief und stehenblieb. Jack fluchte und Ryan, Michael und Carson signalisierten, dass ihre Nummern ebenfalls nicht gezogen worden waren.

Der nächste Mann, der vor sie trat, wickelte sofort ihre Haare um seine Faust, zog ihren Kopf zurück und presste seine Lippen auf ihre. Sie schrumpfte in sich zusammen, hätte sich weggedreht, wenn er ihr die Möglichkeit gegeben hätte. Doch er fixierte sie, ließ seine Hand über ihre Brust fahren und seine Finger mit ihrem Nippel spielen. Er rollte ihn zwischen Zeigefinger und Daumen, bis er zukniff und ihr ein Schmerzenslaut aus der Kehle drang. Er ließ von ihren Lippen ab, musterte sie prüfend, ob sie ihr Safe-Word sagen würde, doch sie schwieg. Plötzlich ertönte das Geräusch einer Hand auf Haut, als seine Handfläche auf ihre Pobacke klatschte. Sie gab einen unwilligen Laut von sich und er schlug ihr erneut auf den Hintern. Nein, sie konnte dem nichts abgewinnen, doch sie schwieg beharrlich.

„Stures Stück!“, fluchte Jack neben ihm.

Erleichtert hörte Colton den Signalton. Wenn das so weiterging, würde sie noch heute Nacht mit wehenden Fahnen den Ort verlassen. Wahrscheinlich würde Hunter nie wieder von ihr hören.

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