Leseprobe

Fortsetzung Seite 3

Ava

„Drehe das verdammte Rad!“, zischte Ava, bevor Hunter sie erneut beschwören konnte, das Safe-Word zu sagen, oder ihr zugestand, dass sie die Wette gewonnen hatte. Nur über ihre Leiche! Er hatte so viele Wetten in den letzten Jahren gewonnen, da er immer um Dinge mit ihr gewettet hatte, von denen er sicher war, dass sie ihre Komfortzone so weit dehnten, dass sie kneifen würde. Dieses Mal nicht, hatte sie sich geschworen. Dieses Mal würde sie ihm zeigen, worauf er sich eingelassen hatte. Dumm nur, dass es ihre Pobacke war, die brannte. Was fanden Menschen an dieser Sache, fragte sie sich. Was sollte hieran erregend sein? Ein Haufen notgeiler Bastarde, die sie zum Glück nicht sehen konnte, geilte sich daran auf, dass sie hilflos hier stand und sich begrapschen lassen musste. Na gut, nicht musste! Sie konnte ihr Safe-Word benutzen und Hunter gewinnen lassen. Oder sie nahm sein Angebot an, dass sie die Wette gewonnen hatte. Doch sie hatte sich geschworen, das diesmal nicht zuzulassen.

Noch sechs Männer, dachte sie, dann hatte sie es überstanden und konnte den Club verlassen. Gott! Sie hoffte, sie würde niemanden außerhalb des Clubs wiedersehen. Wie peinlich wäre das? Sie würde Hunter bitten, sie mit verbundenen Augen in die Umkleidekabine zu bringen, damit sie unerkannt fliehen konnte. Und er? Niemals hätte sie gedacht, dass sie sich vor ihm ausziehen würde, dass sie ihm erlauben würde, ihre Hände weit über ihren Kopf ausgestreckt an einen Haken zu binden, mit einem Flaschenzug zu strecken und dabei zusehen zu lassen, wie fremde Männer sie anfassten, ihre Finger in sie steckten oder ihr den Hintern versohlten. Zugegeben, sie hatte ihn immer attraktiv gefunden, war anfangs, als sie ihm am College begegnet war, in ihn verliebt gewesen. Doch da er damals nicht verfügbar gewesen war, hatte sich zwischen ihnen eine unvergleichliche Freundschaft entwickelt. Was bedeutete dieser Abend für ihre Freundschaft? Würde sie ihm noch in die Augen blicken können? Gott, sie wollte nicht auf diese Freundschaft verzichten! Mit niemandem konnte sie reden wie mit ihm. Er kannte all ihre dunklen Geheimnisse. Wer hatte ahnen können, dass sie nicht von all seinen wusste? Dass er ihr einen nicht unerheblichen Teil seiner Persönlichkeit vorenthalten hatte? Das Rattern des Rades unterbrach ihre Gedankengänge und sie atmete tief ein, bereitete sich auf den nächsten Angriff auf ihren Körper vor.

Sie hörte Schritte, die sich ihr näherten, spürte die Hitze des anderen Körpers, als er nah vor ihr stehenblieb, und spannte ihre Muskeln in Erwartung auf die Hände, die sie jeden Moment berühren würden, an. Doch es passierte nichts.

„Eine Wette, Süße?“, erklang eine tiefe, leise Stimme nahe ihrem Ohr. Ein Schauer fuhr durch ihre Glieder. Gott! Diese Stimme! Sie schwieg, ließ den Kopf hängen. Warme Hände umfassten ihre Wangen und sie glaubte, jeden Moment würden erneut Lippen auf ihren Mund gepresst. Doch sie spürte nur heißen Atem nah ihrem Ohr. „Du willst das hier nicht. Deine ganze Körpersprache sagt eindeutig, dass du nichts lieber tun würdest, als dein Safe-Word herauszuschreien und wegzulaufen. Aber du schweigst wegen einer verdammten Wette. Weißt du, wie sehr Hunter leidet?“ Sie schnaubte verächtlich. „Ihr scheint eure Geschichte zu haben, die dich zu dem hier treibt. Aber das hier ist nicht deins, Süße. Beende es!“

„Niemals!“

Sein tiefes Schmunzeln nahe ihrem Ohr jagte ihr eine Gänsehaut über den Körper. „Du hast nicht nur die Wahl zwischen Safe-Word und Durchhalten. Es gibt eine weitere Möglichkeit. Eine Möglichkeit, die Wette zu gewinnen.“

„Ich soll einen dieser kranken Typen auswählen?“ Sie wusste nicht, ob sie es ausgesprochen hatte. Das Grinsen, das sich spürbar über seine Lippen zog, ließ sie wissen, dass er sie gehört hatte.

„Nicht irgendeinen dieser kranken Typen“, antwortete er. „Wenn du mich lässt, werde ich dich aus dieser Zurschaustellung befreien. Ich nehme ihnen jede Sicht auf dich und es ärgert sie, dass sie nicht beobachten können, was zwischen uns passiert. Wenn du mich lässt, Süße, werde ich dich unten in den Sofabereich bringen – privat und gleichzeitig öffentlich genug, um dir Sicherheit zu geben, ohne dich vorzuführen.“

„Und dann?“

„Dann werde ich dir zeigen, weshalb das hier eine dumme Idee war. Verstehe mich nicht falsch, ich werde dich anfassen, einfach weil ich dich berühren will. Ich werde dir zeigen, dass Hunters Vorlieben nicht dem entsprechen müssen, was du hier erlebst. Wenn du mich lässt!“

Seine Hand fuhr von ihrer Wange in ihr Haar und er wickelte eine Strähne ähnlich um seine Hand wie der Mann zuvor. Doch er zog ihren Kopf nicht zurück, hielt seine Hand nur in ihren Haaren, während sich seine Lippen auf ihr Ohr legten. „Bitte, lass mich!“, flüsterte er. „Sag ja, bevor die zwei Minuten rum sind!“

Ihr Herz raste und schlug heftig in ihrer Brust, dass sie glaubte, alle müssten es hören. Sollte sie das hier beenden und mit einem fremden Mann in einer Sofaecke rummachen? Hiernach würden fünf weitere Männer über sie herfallen, sie öffentlich begrapschen. Was konnte schlimmer sein? Er bot ihr eine Möglichkeit, die Wette zu gewinnen, ohne sich wie eine skurrile Sensation in einem Zirkus zu fühlen.

„Die Zeit ist gleich rum“, riss er sie aus den Gedanken.

Sie atmete tief ein und öffnete den Mund. „Ja!“, stieß sie aus und erschrak, wie rau es klang. Der Signalton erklang und Gemurmel brach aus.

„Bist du dir sicher?“, hörte sie Hunter neben sich.

„Ja!“, wiederholte sie.

„Du willst diese Wette unbedingt gewinnen, oder?“, fragte er und es klang frustriert.

„Sie nahm mein Angebot an“, erklang die Stimme des anderen Mannes. „Befreien wir sie von den Fesseln!“

„Willst du das wirklich?“, fragte Hunter.

„Nicht länger als zehn Minuten!“, sagte sie und die Hände, die die Cuffs um ihre Handgelenke lösen wollten, schlossen sich stattdessen darum.

„Du willst verhandeln?“, fragte der Mann amüsiert.

„Ich hätte noch fünf mal zwei Minuten durchhalten müssen.“

„Zur Schau gestellt mit fünf verschiedenen Männern oder deinem Safe-Word.“

„Okay, zwanzig Minuten!“

„Dreißig! Dreißig Minuten oder ich trete von meinem Angebot zurück.“

Ein unangenehmes Kribbeln fuhr durch ihren Magen bei dem Gedanken daran, weiterzumachen. Sie biss sich auf die Unterlippe, spürte ihre Pobacke brennen, dann nickte sie. „Abgemacht!“ Hunter stöhnte, aber sie wurde von dem Haken losgebunden.

„Das war’s!“, ertönte eine weitere männliche Stimme. „Die Show ist vorbei!“

Ihre Schultern schmerzten, als sie die Arme fallen ließ und sie sackte in sich zusammen, wäre zu Boden gegangen, wenn sich nicht sofort ein Arm um sie geschlungen hätte. „Gib mir eine Decke!“, sagte der Mann, dem sie gerade ihren Körper für dreißig Minuten versprochen hatte.

Was war los mit ihr? War die Wette so wichtig, dass sie sich auf solch ein verrücktes Spiel einlassen musste? Vielleicht sollte sie dieses Wort einfach sagen, einsilbig und laut, und zugeben, dass Hunter wieder einmal Recht gehabt hatte. Sie hätte ihn nicht aufziehen sollen, als sie die Utensilien in seiner Tasche gefunden hatte. Es war ja nicht so, als hätte sie noch nie von dieser Art sexueller Vorliebe gehört, als hätte sie nie Fesselspielchen gespielt oder einen Vibrator in der Hand gehalten. Aber die Vorstellung, dass Hunter ...Sie brach den Gedanken ab, als die Stimme des Mannes, der sie fest in seinem Arm hielt, nah ihrem Ohr erklang.

„Ich werde dir die Augenbinde abnehmen! Das Licht könnte erst einmal unangenehm sein.“

„Nein!“, entfuhr es ihr direkt. „Nein! Nicht abnehmen, bitte!“

Der Mann stutzte, doch er schwieg. Im nächsten Moment wurde sie in eine angenehm weiche Decke gehüllt und hochgehoben. Ihr Kopf fiel an eine harte Brust, als er sie brautmäßig die Treppe hinuntertrug, und sie spürte verwirrt in ihren Körper. Sie war erschöpft und doch fühlte sie sich, als sei sie mit einem Starkstromkabel aufgeladen worden, während sie auf dem Arm eines fremden Mannes blind durch einen Raum voller fremder Menschen und seltsamer Apparaturen getragen wurde. Geräusche, die sie außer in einem Film, nie geglaubt hatte, einmal wahrzunehmen, drangen an ihre Ohren. Leder, das auf Haut klatschte, Schmerzenslaute, die verdächtig begierig klangen! Sie verlor jede Orientierung, und das Gefühl, dass sie mit der Augenbinde darauf vertrauen musste, dass dieser fremde Mann sich an das hielt, was er ihr zuvor versprochen hatte, ließ sie sich plötzlich verletzlich fühlen. Sie zog die Decke fester um sich, als sie auf ein Sofa gelegt wurde.

„Ava!“, sagte Hunter nah neben ihr.

„Was?“

„Du musst das nicht tun.“

„Oh nein! Diese Wette, Hunter, diese Wette gewinnst du nicht! Wo bin ich hier?“

„Erinnerst du dich an die Bar, als wir reinkamen? Das hier ist eine Sofagruppe, ganz in der Ecke. Das Sofa steht vom Raum abgewandt.“

„Ähm, sind wir allein?“

„Im Augenblick, ja!“ Seine Hand fuhr über ihr Haar und sie spürte, dass sie trotz der Decke zitterte. „Ava, bitte, es tut mir leid! Ich hätte mich niemals auf diese Wette einlassen sollen. Ich dachte, du würdest es nicht ernst meinen. Einigen wir uns darauf, dass du gewonnen hast, und beenden das Ganze hier.“

„Damit du mir das bei der nächsten Wette unter die Nase reiben kannst? Niemals! Das hier ist eine Wette wie jede andere bescheuerte Wette, die wir jemals abgeschlossen haben. Und ich werde sie gewinnen! Und zwar richtig, nicht gemogelt!“ Er schnaubte, ließ seine Hand von ihrem Kopf fallen. „Sag mir lieber, ob er sich an das halten wird, was er mir erklärte! Kennst du ihn?“

„Ja, Ava, er ist einer meiner engsten Freunde. Er ist vertrauenswürdig.“

„Passt du auf mich auf? Du sagtest, Sicherheit sei wichtig.“

„Sicher und einvernehmlich!“ Sein Ton klang beschwörend.

„Es ist einvernehmlich! Ist es sicher?“

„Ja, es ist sicher!“

„Dreißig Minuten, Hunter!“

„Kann ich dich nicht umstimmen?“

„Nein!“

„Ich passe auf dich auf“, sagte er leise und im nächsten Moment legten sich seine Lippen auf ihre Stirn. Sie hörte, dass er sich zurückzog und sich ihr andere Schritte näherten, hörte Glas, das auf den Tisch gestellt wurde. Dann fuhren Arme unter ihre Schultern und Kniekehlen und sie wurde erneut hochgehoben, bevor sie auf einen Schoß gesetzt wurde. Ein Arm schlang sich fest um sie und im nächsten Moment legte sich ein Glas an ihre Lippen.

„Trink!“, sagte der Mann. Sie öffnete den Mund und nahm einen Schluck von dem Getränk. Es war Tafelwasser. „Warum die Augenbinde?“

„Ich ...“ Sie stockte, schüttelte den Kopf. „Egal!“

„Nein, nicht egal!“, antwortete er. „Ich stellte eine Frage und ich erwarte eine ehrliche Antwort. Ich brauche deine offene Ehrlichkeit, um dich einschätzen zu lernen.“

„Für dreißig Minuten?“, fragte sie zurück. Als Retoure fuhr seine Hand unter die Decke und kniff ihr in ihre empfindliche Pobacke. „Was zur Hölle?!“, entfuhr es ihr.

„Ich sagte dir, dass ich dir Hunters Welt zeigen würde“, erklärte er und seine Hand strich in festen Zügen über die Stelle, die er gekniffen hatte. „Also antworte mir! Warum die Augenbinde?“

„Damit ich nichts sehen muss“, antwortete sie, presste die Lippen aufeinander. Er nahm seine Hand mit einem letzten Zug seiner Handfläche über ihre Haut von ihrem Hintern und im nächsten Moment legte sich erneut das Glas an ihre Lippen. Sie trank, dann seufzte sie. Ihre Kehle fühlte sich rau an, als hätte sie geschrien. Dabei hatte sie alles getan, möglichst keinen Ton von sich zu geben.

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