Leseprobe

Fortsetzung Seite 5

Hayden

Ryan ließ sich mit einem Seufzen im Wagen nieder, zog die Tür zu. „Misstrauisches, kleines Stück!“, seufzte er. Obwohl ihm ihr Misstrauen trotz seiner Dienstmarke einen Stich versetzte, warf er dennoch einen anerkennenden Blick auf sie. „Folge ihr!“

Langsam folgten sie ihr in Schrittgeschwindigkeit etwa zwei Autolängen hinter ihr. Sie setzte ihren Weg angespannt fort, schnellen Schrittes, fast ein bisschen steif. Die Schultern hochgezogen, dass ihr Gesicht tiefer in ihren Kragen sank, ging sie die Straße entlang. Natürlich konnte sie nicht wissen, dass sie in seinem Wagen sicherer sein würde als in ihrem eigenen Bett. Ob sie ihn wiedererkannt hätte, wenn sie ihn im Auto gesehen hätte? Selbst, als sie am Auto vorbeigehuscht war, als fürchtete sie, jemand könnte sie hineinzerren, hatte sie nicht hineingesehen.

„Was glaubst du, hat sie in ihrer Jackentasche?“, fragte Hayden.

„Keine Schusswaffe! Ich vermute Pfefferspray“, antwortete dieser. „Sie ist vorbereitet, keine dieser naiven Touristinnen, die zu bereitwillig in das Auto eines dahergelaufenen vermeintlichen Cowboys springen. Ich denke, sie kommt aus einer Großstadt. Das Misstrauen stach ihr aus den Augen, selbst, als sie meine Dienstmarke inspiziert hatte.“

„Das fuchst dich“, schmunzelte Hayden.

Ryan lachte leise. „Ja, irgendwie schon! Ich bin der Sheriff und nicht gewohnt, dass mir Leute misstrauen. Es sei denn, sie haben etwas zu verbergen. Hast du gesehen, wie viel Abstand sie zum Wagen hielt? Als würde ich versuchen, sie hineinzuzerren.“

„Das ist das Szenario, das du den naiven Touristinnen immer sehr bildhaft auftischst, wenn sie bedenkenlos in dein Auto steigen. Und jetzt, da jemand sich nicht von dir einwickeln lässt, ärgert es dich.“

„Bescheuert, ja!“, stimmte Ryan zu. „Ich sollte zufrieden sein.“

„Das solltest du!“

„Wo will sie hin, verdammt noch mal? Ans andere Ende der Stadt, oder was?“

Das war genau, wo sie hinwollte. Ans andere Ende der Stadt! Zu Fuß, allein, mitten in der Nacht! Haydens Stimmung sank, je länger sie ihr folgten. Sie sollte nicht in der Nacht allein die Straße entlang gehen müssen. Der Dom in ihm wollte aus dem Wagen springen und das tun, wovor sie sich mit dem Pfefferspray zu schützen versuchte. Er wollte sie in sein Auto zerren. Allerdings nicht, um sie vom Gesicht der Welt zu wischen, sondern um sie sicher zu ihrem Zielort zu bringen. Nachdem er sie über die Motorhaube gebeugt und ihren Hintern dafür versohlt hatte, dass sie allein durch die Nacht rannte! Und wenn er Ryans Gesichtsausdruck richtig deutete, ging es dem Sheriff nicht anders.

Nach einer dreiviertel Stunde, in der sie ihr gefolgt waren, ohne dass etwas Nennenswertes passiert war, überquerte sie die Straße und ging zielstrebig auf das Motel zu. Beide Männer stöhnten gleichzeitig auf, als sie sich dort kurz zu dem Wagen umdrehte und in die Scheinwerfer blinzelte. Sie hob die Hand und verschwand die Treppe hinauf in den Gang zu den einzelnen Zimmern.

„Ihr verdammter Ernst?“, knurrte Hayden.

„Ich fürchte ja!“, erwiderte Ryan ebenso knurrig.

Mit einem Seufzen wendete Hayden den Wagen. „Das gefällt mir nicht. Jeder Arsch kommt in Royces Motel unter.“

„Und Royce ist nicht dafür bekannt, Wert auf Sicherheitssysteme zu legen“, stimmte Ryan zu.

„Ja!“, brummte Hayden missmutig. „Eine kleine Fee wie sie ist ein gefundenes Fressen für die Geier dort.“ Der Sheriff antwortete nicht, sondern, er bemerkte es, als er ihm einen kurzen Blick zuwarf, sah ihn grinsend an. „Was?“

„Kleine Fee?“, fragte Ryan amüsiert. Hayden warf erneut einen kurzen Blick auf seinen Freund, der ihn dämlich angrinste. „Im Ernst? Kleine Fee? Wo kommt das auf einmal her?“

„Hast du sie angesehen?“, rechtfertigte er sich, doch als sein Freund zu lachen anfing, schüttelte er seufzend den Kopf.

Den restlichen Weg hingen sie schweigend ihren Gedanken nach, bis Hayden auf Ryans Einfahrt fuhr. „Sie sucht einen Job, oder?“, fragte dieser, ohne Anstalten zu machen, auszusteigen.

„Ja, weil Matt sie sicher grundlos feuerte“, antwortete Hayden. Er würde mit Jamie sprechen müssen.

„Brauchst du nicht immer Servicekräfte?“

Hayden schnaubte amüsiert. „Ja, genau! Ich biete ihr einen Job als Kellnerin in einem BDSM Club an. Das kommt sicher großartig rüber.“

„Sie ist dort offlimits. Jeder weiß, dass die Servicekräfte während ihrer Schicht nicht verfügbar sind.“

Hayden schüttelte den Kopf. „Alle meine Leute sind in diesem Lebensstil unterwegs und das hat seinen Grund. Du weißt, dass das, was im Club stattfindet, verstörend auf Außenseiter wirken kann.“

„Woher willst du wissen, dass sie eine Außenseiterin ist?“, fragte Ryan. „Ich meine nur!“, fügte er defensiv hinzu, als Hayden ihm einen strafenden Blick zuwarf. „Wie auch immer! Danke fürs Fahren.“

„Kein Problem!“

Ryan stieg aus, ging zur Haustür, wo er sich herumdrehte und Hayden mit nachdenklichem Gesicht, das ihm bestätigte, dass sein Freund ebenfalls schlaflos wachliegen würde, hinterhersah.

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